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Island: Ein ganzes Land Opfer der Finanzkrise

Von admin | 7.Oktober 2008

Die internationale Finanzkrise – die ihren Ursprung in der amerikanischen Subprime Krise hat – sorgte auf den Finanzmärkten bereits für verheerende Verwüstungen. Davon ist ein Land besonders betroffen: die isländische Regierung verabschiedete kürzlich ein umfassendes Eilgesetz zur Stabilisierung des isländischen Finanzsystems und der Verhinderung eines totalen Staatsbankrotts.

So übernahm die isländische Finanzaufsicht die vollständige Kontrolle der zweitgrößten isländischen Bank, um sie vor noch mehr Verlusten zu schützen. Unterdessen gewährte die Regierung der national größten Bank "Kaupthing" einen umfassenden Sofortkredit in Höhe von 500 Millionen Euro um den drängenden Liquiditätsproblemen der Bank zu begegnen. Noch in der Vorwoche hatte die Regierung angesichts der ersten Zeichen des Finanzkollapses gar 75 % der Anteile an der drittgrößten Landesbank "Giltnir" im Wert von 600 Millionen Euro übernommen. Diese Maßnahmen gehören zu den bisher größten Eingriffen eines europäischen Landes in die private Marktwirtschaft. Angetrieben wurden die Rettungsmaßnahmen vor allem durch den isländischen Ministerpräsidenten Geir Haarde, der die Bevölkerung unterdessen in einer Fernsehansprache vor der sehr realen Gefahr eines totalen Staatsbankrotts als Folge der internationalen Finanzkrise warnte.

Nachdem bereits Meldungen über einen umfassenden russischen Staatskredit in Höhe von vier Milliarden Euro laut wurden, dementierte ein Sprecher des russischen Finanzministeriums diese Gerüchte. Die isländische Regierung habe bislang nicht einmal nachgefragt, heißt es aus dem Ministerium. Seinen Ursprung hatte diese Meldung über den russischen Rettungsversuch in einer Nachricht auf der Homepage der isländischen Landesbank.

Obwohl die Finanzkrise ihren Ursprung im amerikanischen Immobilienmarkt hat, ist Island bisher das deutlichste Opfer dieser internationalen Krise. Begründet wird dies vor allem mit der aggressiven Expansionspolitik der isländischen Banken. So haben die drei größten Banken des kleinen Landes, Kaupthing, Landsbanki und Giltnir, nicht nur intensiv in internationale Finanzmarktprodukte investiert. sondern eröffneten auch Filialen und begründeten Tochtergesellschaften auf jedem größeren Finanzmarkt. Die isländischen Banken waren also erheblich von dem nunmehr komplett zusammengebrochenen internationalem Finanzgeschäft abhängig, schon alleine da Island lediglich 300 000 Einwohner hat. Um diesem Umstand zu begegnen, kündigte Ministerpräsident Haarde bereits jetzt den Verkauf der Auslandsteile an.

Diese schwierige Position zeichnete sich bereits in den letzten Wochen ab. Schon nach den ersten Anzeichen der Krise vermuteten Fachleute den Kollaps des stark vom Auslandsgeschäft abhängigen isländischen Finanzsystems. So sprach die isländische Regierung erstmals eine unbegrenzte Einlagensicherungsgarantie aus und untersagte den Börsenhandel mit Wertpapieren der Finanzbranche. Indes scheint die Situation nicht abgesichert. So befürchten Regierungsmitarbeiter nunmehr den Kollaps einer weiteren Bank. Ob diese durch eine nahezu totale Übernahme der Bank wie im Falle der Giltnir verhindert werden kann ist ungewiss, denn die liquiden Mittel der Regierung sind erschöpft. So ist das Umsatzvolumen der drei angeführten Banken etwa zehnmal so groß wie das gesamte Bruttoinlandsprodukt des kleinen nordeuropäischen Landes. Die Stellung der Banken und ihre Bedeutung für die Liquidität der Regierung ist damit klar.

Als Ausweg wird derzeit eine Auflösung des isländischen Pensionsfonds diskutiert.

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Topics: Kapitalanlage | 3 Kommentare »

3 Kommentare to “Island: Ein ganzes Land Opfer der Finanzkrise”

  1. Finanzkrise: Island zieht vor Staatsbankrott die Notbremse meint:
    7.Oktober 2008 at 16:12

    [...] Siehe auch: Ein ganzes Land Opfer der Finanzkrise Island steht kurz vor dem Bankrott Island droht Staatsbankrott Finanzkrise und Island Island versucht Staatsbankrott zu verhindern Werbung der Kaupthing Bank analysiert.. Die größte Finanzkrise aller Zeiten [...]

  2. Kaupthing meint:
    14.Oktober 2008 at 18:12

    Leider trifft es dabei ja besonders immer den kleinen Mann (oder eben auch wie die kleine Frau). Als ich einen Teil von meinen Ersparnissen auf die Kaupthing Edge überwiesen habe, war die Gier mal wieder größer als der Verstand.

  3. Marcel meint:
    19.Februar 2009 at 21:20

    Ich habe, glaube ich, im Stern darüber gelesen. Erstaunlich, was für Angebote dort jetzt gemacht werden. Allerdings fand ich es doch schon erschreckend, als gesagt wurde, wie wenig jetzt ein Hotelzimmer übers Wochenende kostet (es waren immernoch mehrere hunderte Euro pro Person!). Ich frage mich, wie die Preise vorher waren, denn ich war, ehrlich gesagt, kein so aufmerksamer Verfolger von isländischen Finanzstrukturen. Aber die momentane Lage lässt einen natürlich Aufmerksam werden.

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